Bischoffen, den 19.01.2004
Einschreiben
 
An das
Gesundheitsamt Goslar
Heinrich-Pieper-Straße 9
 
38640 Goslar
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren!
 
Bei der Synergetik Therapie handelt es sich nicht um die Ausübung von Heilkunde im Sinne des HP- Gesetzes. Laut § 1 Absatz 2 HPG ist
(2) Ausübung der Heilkunde im Sinne des Gesetzes jede berufsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.
Nach ständiger Rechtssprechung des BVerWG (z.B. NJW 1994 § 3624 ff) und nach der herrschenden Meinung in der Literatur ist der Heilkundebegriff dahingehend auszulegen, dass Heilkundeausübung nur dann vorliegt, wenn die Tätigkeit nach allgemeiner Auffassung ärztliche bzw. medizinische Fachkenntnisse voraussetzt und die Behandlung gesundheitlichen Schaden verursachen kann. Die Tätigkeit des Synergetik Therapeuten umfasst keine medizinischen Behandlungen, die im Falle fehlerhafter Ausführung zu Gesundheitsschäden führen könnten. Die Arbeitsebene der Synergetik Therapie ist stets die Klärung von Beziehungskonflikten durch Selbsterfahrung in der Innenwelt des Klienten. Nach § 1 Absatz 3 PsychTG
(3) Ausübung von Psychotherapie im Sinne dieses Gesetzes ist jede mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist. Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist eine somatische Abklärung herbeizuführen. Zur Ausübung von Psychotherapie gehören nicht psychologische Tätigkeiten, welche die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben.
ist Synergetik Therapie auch keine Psychotherapie, denn die Aufarbeitung sozialer Konflikte ist ausdrücklich von der Psychotherapie ausgenommen und wird deshalb auch von anderen Berufen durchgeführt, denen keine ärztliche oder psychotherapeutische Approbation zugrunde liegt. Die somatische Abklärung obliegt auch bei Klienten, die Synergetik Therapie in Anspruch nehmen, immer dem betreuenden Arzt oder Heilpraktiker. Synergetik Therapie muss deutlich als nichtmedizinische Tätigkeit begriffen werden. Daher darf sie auch nicht von Ärzten und Heilpraktikern als Heilmethode angewendet werden. Sie wird nur bei Klienten durchgeführt, die aus eigenem Entschluss und in freier Verantwortung diese psychologische Technik bei sich anwenden wollen. Dies wird jeweils durch eine vertragliche Vereinbarung zwischen Therapeut und Klient abgesichert.
 
Da nach unserer Überzeugung Synergetik Therapie keine Heilkunde ist, sehen wir uns nicht in der Lage, das von Ihnen ausgesprochene Verbot zu akzeptieren. Wir haben die Vorsitzende unseres Berufsverbandes, Frau Sylke Urhahn, aufgefordert, gegen das Verbot zu handeln und die Zahlung eines eventuell angeordneten Zwangsgeldes zu verweigern. Die Anordnung ist gegen Art. 12 des Grundgesetzes gerichtet, wonach die Freiheit des Bürgers, jede Tätigkeit, für die er sich geeignet glaubt, als Beruf zu ergreifen, d.h. zur Grundlage seiner Lebensführung zu machen, gesichert ist. (BVerfGE 7, 377, 397; 30, 292, 334). Dem weit verstandenen Schutzgut des Art. 12 Abs. 1 GG unterfallen die Wahl und die Ausübung eines Berufes.
Ein Beruf im verfassungsrechtlichen Sinn ist jede Tätigkeit, die der Schaffung einer Lebensgrundlage dient und auf Dauer angelegt ist. Der Begriff ist weit zu verstehen und nicht nur von den traditionellen Berufsbildern her zu bestimmen (BVerfGE 7, 377, 397). Der Beruf des Synergetik Therapeuten erfüllt alle gesetzlichen Voraussetzungen.
 
Fristsetzung:
Sofern Sie Ihre Anordnung des Tätigkeitsverbotes gegen unsere Berufsverbandsvorsitzende Sylke Urhahn nicht bis spätestens 31.01.2004 schriftlich widerrufen, werden wir gerichtliche Schritte gegen Sie einleiten. Wir sehen einer gerichtlichen Klärung gelassen entgegen.
 
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Der Vorstand des Berufsverbands der Synergetik Therapeutinnen und Therapeuten e.V.
 
(Unterschrift)                                                            (Unterschrift)  
 
Andreas Krauth                                                         Konstantin Meßmer
Stellvertretender Vorsitzender                       Schriftführer