Gutachten
Eine einfache Darstellung und Erklärung an das Gesundheitsamt Goslar für Dr. Hennighausen und Dr. Hepp über
Selbstheilung in Tiefenentspannung
zugestellt am 9.Januar 2004
(Dr. Hamido hat einige Synergetik-Sessions vor einigen Jahren bei mir gemacht und dieses synergetische Prinzip (Selbstorganisation durch inneres Handeln) auf ihre Arbeit übertragen und daraufhin diesen Artikel als Gutachten entworfen).

Dr. Ma Deva Hamido (Mathematikerin/Kompetenz in der Chaostheorie):
INSTITUT FÜR BEWUSSTE LEBENSFÜHRUNG

I. Wie entsteht unser unbewusstes Funktionieren?
A. Was ist unbewusstes Funktionieren?
B. Beispiele für unbewusstes Funktionieren
1. Beispiel: Zwanghafte Pünktlichkeit
2. Beispiel: „Ich kann nicht“
3. Beispiel: Workoholiker

II. Zusammenhänge
A. Verurteilungen
B. Wahrnehmungsebenen
1. Drogen
2. Hypnosen
3. Tiefenentspannung
4. Atemarbeit (Hyperventilation)
5. Träume
6. Luzide Träume
C. Prinzip der Selbstheilung in Tiefenentspannung
1. Gehirnwellen
2. Psychosomatisches Netzwerk
3. Die Opfer-Täter-Falle
D. Prinzipien der Chaostheorie

III. Beispiele für Selbstheilung
A. Gelenkschmerzen
B. Ärger mit dem Nachbarn
C. Unsicherheit

IV. Nachgedanken

I. Wie entsteht unser unbewusstes Funktionieren?
Bewusst wollen wir alle glücklich und gesund sein. In der Regel tun wir auch eine Menge, um dieses Ziel zu erreichen, aber oft vergeblich. Unbewusst sabotieren wir unser bewusstes Bemühen. Wieso?

A. Was ist unbewusstes Funktionieren?

Unser unbewusstes Funktionieren umfasst
- unser aktives Handeln,
- unsere Gefühle,
- unser Denken und
- unsere Körperfunktionen.

Paul fährt mit dem Auto zur Arbeit und wundert sich plötzlich, dass er schon fast da ist, während er die ganze Zeit in Gedanken ganz wo anders war. Unbewusst hat er auf die anderen Verkehrsteilnehmer und die Ampeln geachtet und den richtigen Weg gefunden.
Oder: Jedes mal, wenn Helga eine bestimmte Werbung sieht, wird sie wütend darüber, wie man nur so eine blöde Werbung machen kann.
Oder: Anja hat Streit mit einem Freund gehabt, und dann gelingt es ihr nicht mehr, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, weil sie immer wieder an diesen Streit denken muss.
Oder: Jedes mal, wenn jemand in einer bestimmten Lautstärke spricht, fühlt, Rolf, wie sein Körper in sich zusammenfällt und ganz schlaff wird.
Unbewusstes funktionieren kann auf zweierlei Weise entstanden sein: entweder es ist angeboren oder es ist erlernt. Die obigen Beispiele zeigen erlerntes Funktionieren. Angeboren sind uns all die normalen Funktionen unseres Körpers, unser Atem, der Blutkreislauf, die Verdauung. Wir können sie jedoch nur bedingt beeinflussen, aber es ist nicht möglich. Wir wissen: Wer im autogenen Training lernt, sich zu suggerieren, dass seine Hände ganz warm werden, dessen Hände werden messbar wärmer.
Aber auch so etwas wie das Erschrecken beim Anblick von Schlangen, ist keine angelernte Reaktion, sondern angeboren. Auch Menschen, die nie in ihrem Leben eine Schlange gesehen haben, reagieren so. Diese Reaktion war für das Überleben der Menschheit so hilfreich, dass sie in unser System fest eingebaut wurde. Wir können davon ausgehen, dass unser unbewusstes Funktionieren normalerweise die Folge von jahrtausendelangen Lernerfahrungen unserer Vorfahren ist und zur Erhaltung unserer Gesundheit und unseres Wohlbefinden beiträgt. Wenn das nicht so wäre, hätte die Menschheit bis heute gar nicht überleben können. Wir dürfen also annehmen, dass die Grundausstattung unserer Funktionen fast durchweg für unser Überleben in unserer Umwelt erfolgreich sorgt. Auf diese Art des Funktionierens werde ich im Weiteren nicht eingehen. Hier soll es dagegen um den Teil unseres unbewussten Funktionierens gehen, den wir erlernt haben.

B. Beispiele für unbewusstes Funktionieren
An drei Beispielen soll verdeutlicht werden, wie wir unbewusstes Funktionieren lernen. Es ist dabei immer nur eine Möglichkeit von vielen. Ein Rückschluss: Wenn jemand so funktioniert, dann muss er diese Erfahrungen gemacht haben, ist nicht möglich. Wie die Realität wirklich aussieht, können wir nur im Einzelfall ergründen, und oft sind die Zusammenhänge auch sehr viel komplexer, als in den hier dargestellten Fällen.

1. Beispiel: Zwanghafte Pünktlichkeit
Der kleine Peter – der kleine Bruder einer meiner Kundinnen – kommt nicht pünktlich zum Mittagessen. Dafür wird er von seinem frustrierten neurotischen Vater verprügelt. Dies ist eine sehr schmerzliche Erfahrung für Peter, die er natürlich nicht wieder machen möchte. Er bekommt Angst, beim Mittagessen zu spät zu kommen.
Angst ist freilich ein genauso unangenehmes Gefühl wie Schmerz, Peter versucht also seine Angst zu reduzieren. Wie ist das möglich? Als am nächsten Tag die Mittagszeit naht, läuft er alle 10 Minuten in die Küche, um die Mutter zu fragen, ob es schon Zeit ist zum Mittagessen. So gelingt es ihm, pünktlich zu sein, und er wird nicht geschlagen. Er ist erleichtert. Er weiß jetzt, wie er es vermeiden kann, geschlagen zu werden. Pünktlich sein ist das richtige Verhalten. Unpünktlich sein ist falsch. So entsteht in ihm der Wunsch, immer pünktlich zum Essen zu kommen und nie mehr geschlagen zu werden. Wie ist das möglich? Er muss sicherstellen, dass sein Verhalten nicht mehr durch seine persönlichen Bedürfnisse, z.B. zu spielen, beeinflusst wird, sondern nur noch durch die Uhr. Peter beschließt, dass die Rückkehr an den Mittagtisch automatisch erfolgen soll. Aus einem „Du musst pünktlich sein!“ seines Vaters wird ein „Ich muss pünktlich sein!“ Nur so kann er einigermaßen sicher sein, dass auch im schönsten Spiel in seinem inneren ein Wächter sitzt, der ihn rechtzeitig nach Hause schickt. Solange da nur ein „Du musst“ besteht, gibt es noch die Freiheit der Wahl: Wenn das Spiel besonders schön ist, kann er sich noch entscheiden, zu spät zu kommen. Zu jeder Forderung, die von außen an uns gerichtet wird, können wir ja oder nein sagen. Wir bleiben frei: will ich oder will ich nicht? Wir haben die Wahl, uns für das Risiko des Neins zu entscheiden. Durch die aktive Umgestaltung zu einem „Ich muss“ verzichten wir auf diese Freiheit. Aus einem bewussten „Heute will ich pünktlich zum Mittagessen kommen, damit mein Vater mich nicht schlägt“, über das jeden Tag neu entschieden werden kann, wird ein unbewusstes: „Ich muss pünktlich zum Mittagessen kommen“, ein automatisches Programm: Pünktlich sein beim Mittagessen und das stolze Selbstbild: Ich bin ein pünktlicher Mensch. Und damit immer verbunden der Ärger über Menschen, die unpünktlich sind.
Jede Freiheit, auf die wir verzichten, löst Ärger bei uns aus, wenn der andere sie benutzt.
Solche unbewussten Programme haben eine Tendenz, sich zu verallgemeinern:
vom Mittagessen zu allen Mahlzeiten
von den Mahlzeiten zu allen Verabredungen mit anderen Menschen
vom Vater zu allen Autoritätspersonen.
Manchmal kann dies auch zu einem unbewussten Protestverhalten führen: Der vollkommene Pünktlichkeit gegenüber Autorität, z. B. am Arbeitsplatz, steht die absolute Unpünktlichkeit, z. B. bei privaten Verabredungen.
Das unbewusste Programm, immer pünktlich sein zu müssen, kann aber auch als frustrierend erlebt werden, dass jemand grundsätzlich unbewusst immer unpünktlich kommt, d. h., das Programm mit einem umgekehrten Vorzeichen absolviert.

2. Beispiel: „Ich kann nicht“
Sonja hat einen autoritären Vater. Ihr Vater hat ganz genaue Vorstellungen, wie seine Tochter zu sein hat, er lässt ihr keine Freiheit für eigene Entscheidungen. Sonja empfindet das natürlich als sehr unangenehm, schließ sieht sie, dass es bei anderen Kindern ganz anders läuft. Aber davon will ihr Vater nichts wissen. Sonja verurteilt ihren Vater für diese Sturheit: „Man muss einem Kind Freiheit lassen. So will ich nie werden.“ Dies ist eine Verurteilung des Vaters. Sie macht ihr ihre eigene Situation etwas erträglicher. Er mag zwar die Macht haben, sie zu zwingen, aber innerlich steht sie über ihm: Sie ist besser als er oder auch: Sie ist richtig, er ist falsch.
Sie entwickelt einen absoluten Maßstab. Ein Mensch ist nur gut, wenn er seinen Kindern Freiheit lässt. Sie wird ihre Kinder jedenfalls einmal ganz frei aufwachsen lassen.
Und dann eines Tages hat sie eigene Kinder. Und diesen lässt sie jede Freiheit. Und es kommt, was nicht ausbleiben kann: Die Kinder tanzen ihr auf der Nase herum. Ihr Mann meint immer wieder, sie müsse mehr durchgreifen, aber sie sagt: „Ich kann nicht“. Sie kann höchstens drohen: „Wartet nur, bis Papa nach Hause kommt!“ Nur, wenn es einmal ganz schlimm kommt, kann sie explodieren. Ständig nimmt sie Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Kinder und lässt sich von diesen kommandieren. Bis sie dann eines Tages zusammenbricht. Nun zwingen die Umstände die Kinder, Rücksicht zu nehmen und sich um ihre Mutter zu kümmern. Aber direkt kann sie es von ihnen nicht fordern. Sonst wäre sie ja wie ihr Vater, dann müsste sie sich ja selbst verurteilen. Und das will sie natürlich auf keinen Fall. Erst, wenn sie sich mit ihrem Vater, bzw. dessen Verhalten versöhnt hat, wird sie ihre Handlungsfähigkeit gegenüber ihren Kindern zurück erlangen, aus dem „ich kann nicht“ ausbrechen.

3. Beispiel: Workoholiker
Pauls Vater ist Trinker. Er bringt nichts Rechtes zustande, ständig wird er aufgrund seines Alkoholismus arbeitslos. Die Familie lebt am Existenzminimum. Und seine Frau ist frustriert. So hat sie sich die Ehe nicht vorgestellt. Sie verachtet ihren Mann.
Paul fühlt sich natürlich auch nicht wohl bei einem solchen Vater. Er wäre gerne wie andere Kinder stolz auf seinen Vater, aber das ist nicht möglich. Er merkt, dass andere Kinder sich über seinen Vater und ihn lächerlich machen. Das ist unerträglich. Er solidarisiert sich mit seiner Mutter und verachtet ebenfalls seinen Vater. So schafft er eine Distanz zu ihm. Er ist zumindest besser als sein Vater.
Und er erlangt dadurch eine neue Überzeugung: „Nur wer tüchtig ist, wird geachtet.“ Natürlich möchte er geachtet werden. Er muss also selbst tüchtig sein, um nicht auch eines Tages verachtet zu werden. Er könnte natürlich auch sich selbst gar nicht achten, wenn er nicht tüchtig wäre. Die Angst, nicht tüchtig zu sein und so verachtet zu werden wie sein Vater, sitzt ihm im Nacken. Um diese Angst abzuwehren, hat er unbewusste Überlebensprogramme entwickelt: „Ich muss jede Arbeit sofort machen. Ich darf nichts liegen lassen.“ Woher er diese Programme hat, hat er inzwischen selbst längst vergessen. Wenn eine Arbeit liegen bleibt, löst das bei ihm ein solches Unbehagen aus, dass er alles tut, um diesen Zustand zu verhindern, d. h. er arbeitet z. B. trotz Erschöpfung weiter.
Sobald Paul ein Bedürfnis nach Entspannung spürt, kommt bei ihm unbewusst die Angst hoch, er könnte so untüchtig sein wie sein Vater und genauso verachtet werden. Also arbeitet er und arbeitet er. So lange, bis er zusammenbricht und zum Frührentner wird. Und dann genauso untüchtig ist, wie es sein Vater war. Das, was er verhindern wollte, hat er so unbewusst herauf beschworen.

II. Zusammenhänge

A. Verurteilungen
Die Beispiele zeigen, dass in allen diesen Fällen unbewusstes Funktionieren nur zustande kommt,
1. wenn wir eine ganz bestimmten schmerzlichen oder unangenehmen Erfahrung in unserem Leben gemacht haben,
2. wenn wir Angst hatten, diese Erfahrung in der Zukunft wieder zu machen, und
3. wenn wir diejenigen, der diese Erfahrung verursachte, dafür verurteilen.
Mit meinen Verurteilungen mache ich meine schmerzlichen oder unangenehmen Erfahrungen zwar erträglicher, ich löse sie jedoch nicht auf, sondern verschiebe sie in die Zukunft: In der Form von Ärger oder indem ich durch mein unbewusstes Verhaltensmuster bei mir oder anderen genau die gleichen schmerzlichen Erfahrungen wieder erzeugen.
Ich kann aus meinen unbewussten Programmen aussteigen, wenn ich die Verurteilungen, durch die diese Programme genährt werden, überwinde. Immer wenn ich eine schmerzliche oder unangenehme Erfahrung mache oder wenn ich gerade Ärger spüre, kann ich aus meiner Verurteilung aussteigen. In diesem Augenblick ist es möglich, die eigene verurteilende Haltung zu ändern:
1. Jedes mal, wenn Peter sich darüber ärgert, dass jemand zu spät kommt, kann Peter aus seinem Stolz, ein pünktlicher Mensch zu sein und aus seiner Verachtung für unpünktliche Menschen aussteigen.
2. Jedes mal, wenn Sonja sich über einen autoritären Menschen ärgert, kann sie aus der Verurteilung ihres autoritären Vaters aussteigen.
3. Jedes mal, wenn Paul sich über die unangenehmen Folgen ärgert, die die Unfähigkeit anderer Menschen für ihn hat, kann er der Verachtung seines Alkoholiker-Vaters aussteigen.
Wenn ich bereit bin, die Schmerzen anzunehmen, die diese Situation mir während meiner Kindheit bereitet haben, fange ich an, mich mit ihnen zu versöhnen. Wissen über die Ursprünge meines unbewusstes Verhaltens alleine bewirkt nichts. Ich kann durch die Angst vor dem Schmerz nur dann gehen, wenn ich sie spüre.
Der Weg in die Bewusstheit führt darum immer an der Angst entlang. Er braucht Zeit. Der erste Schritt ist immer, dass ich erkenne, wie unbewusst ich normalerweise bin. Dass ich erkenne, wie ich mit meiner Unbewusstheit die Verantwortung für mein Leben abgegeben habe. Wenn eine schlagende Mutter, ein missbrauchender Vater oder ein neidisches Geschwister mir Schmerzen zugefügt haben, dann war das sehr unangenehm für mich und ich bekam Angst vor diesem Schmerz. Es ist sehr verständlich, dass ich die Schmerzen durch Verurteilung zu lindern und die Angst durch automatisches Funktionieren zu bannen versuchte. Ich brauche mir dafür keinen Vorwurf zu machen. Aber ein automatisches Funktionieren entsteht immer nur durch meine eigene Entscheidung, mein Akt der Verurteilung. Niemand kann ein Verhaltensprogramm in mir erzeugen außer mir selbst. Und darum kann auch nur ich es wieder löschen, in dem ich meine verurteilende Haltung wieder aufgebe.
Keiner kann meine Haltung ändern außer mir.

B. Wahrnehmungsebenen
Im Zentrum steht unser Hier-und-Jetzt-Bewußtsein. Darum herum gliedert sich unsere Wahrnehmung in verschiedene Bereiche.
Ein Teil unserer Wahrnehmung ist bewusst, ein Teil unbewusst. Der unbewusste Teil ist dabei wesentlich größer als der bewusste Teil. Man könnte von einem Eisberg spreche, bei dem auch nur ein kleiner Teil aus dem Wasser ragt und der weitaus größte Teil unsichtbar ist.


bewusst - unbewusst

Außenwelt
Sinneswahrnehmungen
äußeres Handeln, Körper

Hier-und-Jetzt-Bewußtsein

Innenwelt
Vorstellungen / Erinnerungen
inneres Handeln


Dann können wir unsere Wahrnehmung in unsere Innenwelt und in unserer Außenwelt einteilen. Zur Außenwelt gehören unsere Sinneswahrnehmungen, unser bewusstes Handeln, unsere Körperwahrnehmung.
Zur Innenwelt gehören unsere Vorstellungen, unsere Erinnerungen, unser inneres Handeln in unseren Vorstellungen.
Von allen Wahrnehmungen aus unserer Innen- und unserer Außenwelt und der Kommunikation innerhalb unseres Körpers dringt nur ein Bruchteil in unser Bewusstsein ein. Der Rest geht jedoch keineswegs verloren, sondern er bleibt nur unbewusst. Das benutzte man z. B. in der Werbung. Dort wurde versucht, Informationen bewusst so zu gestalten, dass sie uns nur unbewusst zum Kauf eines Produktes bewegen sollten. Bewusst schaute ich mir eine schöne Landschaft an, unbewusst wurde mir das Bild eines bestimmten Getränkes gezeigt. Bei dem angenehmen Gefühl im Augenblick der Erinnerung an das Landschaftsbild kommt dann das Verlangen auf, dieses Getränk einmal zu trinken. Doch diese Art von Werbung wurde inzwischen verboten.
Schon immer haben die Menschen versucht, Informationen von ihrem Unbewussten zu erlangen.

1. Drogen
Drogen werden seit Urzeiten erfolgreich eingesetzt, um das Bewusstsein zu erweitern. Sie ermöglichen wunderschöne Erfahrungen. Aber außer der Gefahr, durch Drogen süchtig zu werden, haben sie den Nachteil, dass das Hier-und-Jetzt-Bewußtsein ausgeschaltet wird. Bewusstseinserweiterungen durch Drogen sind daher sehr teuer erkauft. Außerdem können sie zu einer Destabilisierung der Persönlichkeit führen.

2. Hypnose
In der Hypnose stellt der Hypnotiseur in einem Zustand der Entspannung bei seinen Klienten einen Kontakt zum Unbewussten her. Das Bewusstsein wird „auf Urlaub“ geschickt, mit anderen Wahrnehmungsbereichen beschäftigt gehalten, damit es die Arbeit des Hypnotiseurs mit dem Unbewussten nicht stört.
Hypnose wird z. B. erfolgreich in Nichtraucherprogrammen eingesetzt. Hypnose kann sehr hilfreich sein.
Am Ende der Hypnose kann der Hypnotiseur dafür sorgen, dass das Bewusstsein über alles Bescheid erhält, was in der Hypnose passierte, das muss aber nicht so sein. Auf der Bühne wurde Hypnose häufig eingesetzt, um Menschen lächerlich zu machen. Dies hat zu ihrem schlechten Ruf beigetragen.
Es ist daher sehr wichtig, dass man sich nur von einer Person hypnotisieren lässt, zu der man volles Vertrauen hat.

3. Tiefenentspannung
Die Arbeit in der Tiefenentspannung funktioniert genau umgekehrt wie die Hypnose: Es wird zwar auch über den Entspannungszustand der Zugang zum Unbewussten hergestellt, aber das Hier-und-Jetzt-Bewußtsein behält die Kontrolle über den gesamten Prozess. Das Unterbewusste wird nicht von einer dritten Person verändert, sondern vom eigenen Bewusstsein her.

4. Atemarbeit (Hyperventilation)
Genau wie in der Entspannung, bleibt bei der Hyperventilation das Hier-und-Jetzt-Bewußtsein unangetastet, wird das Unbewusste nicht durch eine andere Person, sondern durch das eigene Bewusstsein beeinflusst. Die Informationen über das Unbewusste kommen aber häufiger durch den Körper zum Ausdruck. Insbesondere Personen, die nur schwer Zugang zur Tiefenentspannung finden, weil sie sich schlecht entspannen können oder weil sie sehr rational sind, können auf diese Art mit ihrem Unbewussten in Kontakt kommen und heilsam auf es einwirken.

5. Träume
Manche Menschen glauben, sie würden nicht träumen, aber das ist ein Irrtum. Wir träumen alle, nur erinnert sich der eine besser an Träume als der andere. Je mehr wir uns mit unseren Träumen beschäftigen, desto mehr erinnern wir uns auch daran. In den Träumen begegnen wir ebenfalls Inhalten aus unserem Unbewussten. Das Hier-und-Jetzt-Bewußtsein ist allerdings völlig ausgeschaltet. Wenn wir träumen, dass uns ein Löwe verfolgt, dann wissen wir nicht, dass dies nur in unserer Vorstellung geschieht, sondern denken, es wäre Teil unserer Außenwelt.

6. Luzide Träume
Anders ist dies in luziden Träumen. Luzide Träume sind dadurch gekennzeichnet, dass wir voll bewusst sind, dass wir träumen. Wir schlafen, aber wir wissen, dass wir in unserem Bett liegen und träumen. Dann können wir von unserem Bewusstsein her die Träume verändern. Nur wenige Menschen verstehen, luzide zu träumen. Früher glaubte man, dass solche Menschen sich das nur einbilden, heute ist aber bewiesen, dass es diesen Zustand tatsächlich gibt. Das hat man in Schlaflabors herausgefunden. Luzide Träumer führten während des Träumens vorher vereinbarte Augenbewegungen durch, denn im Gegenteil zu der allgemeinen Muskulatur sind die Augenmuskeln im Schlaf nicht ausgeschaltet. Damit bewiesen sie, dass sie sich voll bewusst waren, dass sie gerade ein Experiment im Schlaflabor durchführen.

C. Prinzip der Selbstheilung in Tiefenentspannung
In einer Tiefenentspannungssitzung ist das Bewusstsein mit einem Teil des Unterbewusstseins verbunden. Ich kann einfach ohne Ziel in eine Sitzung gehen und mich überraschen lassen, was mein Unterbewusstsein mir wohl schenken wird. Ich kann aber auch eine Bitte an das Unterbewusstsein richten, mir Informationen zur Verfügung zu stellen, die mir bei einem konkreten Problem helfen können, z. B. beim Umgang mit einer unangenehmen Person, bei einer Blockade angesichts einer bestimmten Situation, bei der Suche nach mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl oder beim Wunsch nach der Heilung einer Krankheit. Und ich kann dem Unterbewussten auch mitteilen, wie hart die Brocken sein dürfen. Wer darum bittet, nur mit einem bisschen Angst konfrontiert zu werden, wird auch nur entsprechend sanfte Bilder erhalten, kleine Herausforderungen. Ganz langsam kann er sich vortasten, genau in dem Tempo, das für ihn stimmt.
Wer dagegen bereit ist, ans „Eingemachte“ zu gehen, bei dem kann z. B. die Erinnerung an eine vergessene, sehr schmerzliche Erfahrung hochkommen. Er kann in einer einzigen Sitzung einen großen Sprung vorwärts machen und auf einen Schlag eine große Erleichterung und Befreiung erfahren.
In der Tiefenentspannung gibt das Unterbewusstsein immer nur so viele Informationen preis, wie die Person bereit und in der Lage ist, zu verarbeiten. Niemand braucht zu fürchten, gegen seinen Willen von unangenehmen Erinnerungen überwältigt zu werden. Es kann aber sehr gut sein, dass das Unterbewusstsein sich weigert, konkrete Informationen zur Verfügung zu stellen. Dann drückt es stattdessen die betreffende Energie auf eine abgeschwächte Form aus, z. B. auf einer verschlüsselten Ebene. Auf dieser Ebene kann die schmerzliche Erfahrung dann allmählich verarbeitet werden.

inneres Handeln

Bewusstsein - Entspannung - Unterbewusstsein

Begleitung / Beratung


Wenn sich jemand in Tiefenentspannung befindet, kann er mit den Informationen, die aus dem Unterbewussten hochkommen, arbeiten, d.h. durch sein inneres Handeln kann er die Energie, die in den Bildern steckt, auflösen. Wenn er z. B. geschlagen wurde, dann kann er die Energie, die in den Bildern steckt, auflösen. Wenn er z. B. geschlagen wurde, dann kann er sich innerlich wehren. Aus seinem Gefühl „Ich bin den anderen hilflos ausgeliefert“, wird dann ein „Ich kann gut für mich sorgen“. Aus Eltern, die nie Zeit für ihn hatten, können in seiner Vorstellung Eltern werden, die liebevoll für ihn sorgen. Nach einer solchen Sitzung sagte mir einmal eine Frau: Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich meiner Eltern nicht mehr schämen muss!
Dieses innere Handeln erfolgt in eigener Verantwortung. Nur die betroffene Person selbst weiß, was für sie angemessen ist, ob sie z. B. innerlich mit jemandem, der ihr ohne Achtung begegnet, redet, um ihn zu überzeugen, ob sie ihn so lange ansieht, bis er ganz klein wird, oder ob sie ihn schlägt, bis er bereit ist, sein Verhalten zu verändern. Oder ob sie vielleicht um Hilfe ruft. Oder ob sie als Erwachsene dem inneren kleinen Kind in einer schwierigen Situation weiterhilft. Es geht in den Sitzungen nie um das äußere Verhalten und die Personen draußen, es geht darum, dass die eigene Vorstellung von diesen Personen durch inneres Handeln geändert wird. Die Außenwelt hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, da sind meinem Handeln durch die Macht der anderen klare Grenzen gesetzt. In meiner Innenwelt ist das anders, da habe ich die Macht über alle meine Vorstellungen, da brauche ich keine Widerstände zu akzeptieren.
Wer in einer Tiefenentspannungs-Sitzung in seine Vorstellungen hineingeht, ist gefühlsmäßig intensiv damit verbunden. Dies kann verhindern, dass ihm die richtigen Ideen kommen, wie er die Situation verändern kann. Hier setzt meine Beratung von außen ein. Ich liefere Ideen, wie die eigene Vorstellung erfolgreich beeinflusst werden kann. Als Begleitung nehme ich gefühlsmäßig Anteil an dem Geschehen, bin immer parteiisch zugunsten der betroffenen Person. Wer an schmerzliche Erinnerungen kommt, muss wissen, dass er darin nicht allein gelassen wird, und dass niemand ihm sagt, dass das, was er in diesem Augenblick empfindet, doch alles nicht so schlimm sei.
Es kann jedoch manchmal wichtig sein, ihm zu helfen, sich aus der Identifikation mit den eigenen Vorstellungen zu lösen. Dann erinnere ich ihn, dass er im Augenblick auf einer Matte liegt und alles, was er wahrnimmt, keine äußere Realität ist, sondern nur seine innere Vorstellung oder eine Erinnerung an die Vergangenheit. Dann hat er weniger Angst vor einer Konfrontation und kann getrost ein Risiko eingehen.
Die betroffene Person orientiert sich während einer Sitzung gewohnheitsgemäß häufig an den logischen Grenzen, die sie in der Außenwelt erfährt. In der Innenwelt gibt es diese Logik nicht, im Gegenteil, oft ist absolut unlogisches Verhalten das Wirkungsvollste. Als Begleitung habe ich trotz Anteilnahme eine gewisse Distanz zu dem Geschehen, Dies und die Erfahrung aus vielen anderen Sitzungen ermöglicht mir, Ideen zu liefern, wie eine scheinbar aussichtslose Situation dennoch verändert werden kann.


1. Gehirnwellen
Was passiert eigentlich im Gehirn während einer Tiefenentspannungs-Sitzung?
Es ist bekannt, dass die Frequenz unserer Gehirnwellen abhängig ist von den Vorgängen im Gehirn.

Gehirnwellen

Beta 14 - 38 Hertz bewusstes Denken/Handeln

Alpha 8 -14 Hertz Entspannung

Theta 4 - 8 Hertz Unbewusstes

Delta 0,5 - 4 Hertz kollektives Unbewusstes

Beta-Wellen sind während unseres Wachbewusstseins der „Normalzustand“. Sie verlaufen parallel zu unserem bewussten Denken und Handeln. Wenn wir uns bewusst entspannen, so entstehen zusätzlich Alpha-Wellen.

Gelangen Informationen aus dem Unbewussten in das Bewusstsein, so kommen Theta-Wellen hinzu, bei Informationen aus dem Kollektiven Unbewussten treten Delta-Wellen auf.
Die Informationen aus dem Unbewussten bzw. dem kollektiven Unbewussten können vom Bewusstsein nur dann aufgenommen werden, wenn auch die Alpha-Wellen aktiv sind, d.h. in einem Zustand der Entspannung. Bei Menschen, die z. B. unter einem Trauma leiden, können wir beobachten, dass in ihrem Gehirn Alpha- und Theta-Wellen nicht gleichzeitig auftreten.

Wenn sie anfangen, sich zu entspannen, bilden sich bei ihnen wie bei anderen Alpha-Wellen, sobald jedoch Informationen aus dem Unbewussten hochkommen, d. h. Theta-Wellen entstehen, verschwinden die Alpha-Wellen und eine Erinnerung an das vergessene schmerzliche Ereignis wird so verhindert. Es ist ein wirkungsvoller Schutz vor einer Schmerzüberflutung. Dieser Schmerz und die Angst davor kann und sollte nur in kleinen Schritten auf sanfte Weise abgebaut werden.


2. Psychosomatisches Netzwerk

Früher ging die Medizin davon aus, dass das Gehirn für unser Denken und unser Gedächtnis sowie unser aktives Handeln zuständig ist. Allmählich fand man dann heraus, dass auch unsere Gefühle vom Gehirn gesteuert werden.
Das endokrine System, unsere Drüsen und Hormone, sorgen dagegen für den reibungslosen Ablauf unserer körperlichen Funktionen.
Das Immunsystem aus Milz, Knochenmark und Lymphknoten galt dagegen als zuständig für die Abwehr von fremden Bedrohungen.
Diese drei Systeme hielt man früher für relativ unabhängig voneinander. Heute wissen wir, dass sie eng miteinander verbunden sind und die gleichen Peptide in allen drei Systemen erzeugt und als Botenstoffe empfangen werden, d.h. dass wir es in Wirklichkeit mit einem einzigen System mit drei Untersystemen zu tun haben.

Gehirn
Denken / Fühlen / Gedächtnis

Peptide -Peptide

Endokrines System: Drüsen / Hormone - Peptide - Immunsystem: Milz / Knochenmark / Lymphknoten

Eigentlich hätten wir das schon längst wissen müssen. Was passiert denn bei Autogenem Training? Ich stelle mir vor, dass meine Hand warm wird und sie wird warm. D.h. H. durch Aktivitäten meines Gehirns wurde das Endokrine System beeinflusst.
Es ist auch kein Geheimnis, dass Menschen, die sich positive Vorstellung zu ihrem Heilungsprozess machen, schneller voran schreiten. In anderen Kulturen ist dieses Wissen noch erhalten geblieben. In einem afrikanischen Dorf wurde mir z. B. von einer traditionellen Praxis berichtet: Hatte sich jemand einen Fuß gebrochen, so wurde einem Huhn ebenfalls der Fuß gebrochen und geschient. Die Heilung eines Knochenbruches verläuft bei einem Huhn deutlich schneller als bei einem Menschen. Dadurch, dass der Kranke das rasche Fortschreiten der Heilung bei dem Huhn ständig beobachten konnte und davon motiviert wurde, beschleunigt sich auch sein eigener Heilungsprozess.
Durch unsere Vorstellungen können wir jeden Heilungsprozess positiv beeinflussen. Bei allen Krankheiten, in denen auch Spontanheilungen auftreten, ist davon auszugehen, dass wir die Chance haben, diese durch die Veränderung unserer inneren Bilder bewusst herbei zu führen, auch und gerade dort, wo die Schulmedizin keine Hilfe mehr anbietet. Wo die Grenze der Wirksamkeit ist, kann nur im Einzelfall herausgefunden werden. Ein amputiertes Bein wird trotz aller Vorstellungen nicht nachwachsen und der Tod ist uns allen gewiss. Aber Fehlfunktionen des Endokrinen Systems und des Immunsystems, die die Folge von Lernprozessen sind, können auf diese Weise verlernt werden, so dass die ursprüngliche, gesunde Funktionsweise wieder zurückkehrt.

3. Die Opfer-Täter-Falle
Viele Menschen fühlen sich als Opfer ihrer Mitmenschen. Sie sind überzeugt, dass es denjenigen gut geht, die sich besser zu wehren verstehen. Und so mancher, der viel ertragen hat, beschließt eines Tages, das nie wieder mit sich machen zu lassen und wird selbst zum Täter.
Unser Selbstverständnis als Täter oder Opfer ist in Wirklichkeit eine Falle :

SchmerzerfahrungAngst, diese Erfahrung wieder zu machen

Wertung : Nie wieder tun, was diesen Schmerz erzeugt

Opferrolle, z.B. immer schweigen, alles hinnehmen

neue (andere) schmerzliche Erfahrungen

Wertung : Das lasse ich nie wieder mit mir machen!

Täterrolle, z. B. immer reden, sofort zuschlagen
Angst, in die Opferrolle zurück zu fallen, Verurteilung

Am Anfang steht immer eine schmerzliche Erfahrung. Und die Angst davor, diese Erfahrung wieder zu machen. Die erste natürliche Reaktion ist die, das, was diese schmerzliche Erfahrung ausgelöst hat, nicht mehr zu tun. Das ist normal. In die Falle gehen wir erst in dem Augenblick, in dem wir beschließen, dies nie wieder zu tun. Denn erst in diesem Augenblick gehen wir in die Opferrolle: wir schweigen z. B. immer, wenn wir angeschrieen werden, wir nehmen es immer hin, wenn wir von den Eltern geschlagen werden. Die ursprüngliche schmerzliche Erfahrung können wir damit zwar verhindern, aber wir sorgen so unbewusst für neue Situationen, die nicht weniger schmerzlich sind, denn wir haben die Freiheit aufgegeben, Grenzen zu setzen und von anderen einen achtsamen Umgang mit uns zu fordern. Opfer jammern und verurteilen, aber Opfer weichen immer dem Konflikt aus. Bis sie es irgendwann satt haben, immer nur das Opfer zu sein. Dann drehen sie den Spieß herum: Sie beschließen: „Das lasse ich nie wieder mit mir machen.“ Und so wechseln sie von der Opfer- in die Täterrolle. Jetzt schweigen sie nicht mehr hilflos, sondern reden den anderen in Grund und Boden. Jetzt warten sie nicht mehr, ob der andere sie schlägt, sondern schlagen zuerst zu. Allen Tätern sitzt immer die Angst im Nacken, dass sie irgendwann wieder in die Opferrolle zurückfallen könnten. Täter sind nie frei, sondern immer wie ein gehetztes Wild. Um ihre wahre Angst nicht zu zeigen, müssen sie ein ausgeprägtes Droh- und Imponiergehabe entwickeln. Daran kann man Täter sofort erkennen. Außerdem haben alle Täter ein schlechtes Gewissen. Aber das dürfen sie natürlich auch nicht zeigen. Jeder Täter war irgendwann einmal das Opfer und hat sein heutiges Täter-Verhalten seinerzeit als Opfer selbst verurteilt. Und diese Verurteilung sitzt noch tief in ihm im Verborgenen. Nie würde er es zugeben, ja, es muss ihm nicht einmal bewusst sein. Aber wir können es daran erkennen, wie sehr er sich immer wieder rechtfertigen muss. Der Täter sitzt in der gleichen Falle wie das Opfer, nur hat sie ein umgekehrtes Vorzeichen. Frei und mit sich selbst in Frieden ist keiner von den beiden.
Was also können wir tun, um aus dieser Falle raus zu kommen? Gar nichts, denn so lange wir unsere Sicht der Dinge nicht verändern, kommen wir aus der Falle nicht heraus. Es geht nicht um ein anderes Verhalten, das uns helfen könnte, sondern um eine andere Haltung, die wir einnehmen können. Wir können aus unseren Verurteilungen aussteigen, aus unseren Absolutheitsansprüchen. Dies wird uns zu neuen Einsichten und Erkenntnissen führen und uns unsere Freiheit wieder zurückgeben.
Dann werden wir es manchmal hinnehmen, dass uns jemand Schmerzen zufügt und manchmal werden auch wir es sein, die anderen schmerzliche Erfahrungen bereiten, und wir können beides akzeptieren und annehmen. Es bleibt jedoch die Herausforderung, Lösungen zu finden, die für uns ebenso angenehm sind wie für den anderen, das Leben für uns und andere nicht leid- sondern lustvoll zu gestalten.


D. Prinzipien der Chaostheorie

Wenn wir unbewusst funktionieren, befinden sich die unbewussten Strukturen in unserem Gehirn in einem Zustand relativer Stabilität.


Stabilität


Wenn wir uns bemühen, etwas an unserem unbewussten Verhalten zu verändern, dann kann uns das zwar manchmal für kurze Zeit gelingen, aber dann fallen wir immer wieder in das alte Muster zurück. Unser Gehirn ist eine komplexe Struktur, die eine eigene Ordnung hat. Wir können ein gelerntes Verhalten nicht einfach zur Seite stellen wie eine leere Tasse, die wir nicht mehr brauchen.
Muster in solchen komplexen Systemen können nur in einem Zustand der Instabilität verändert werden:


Diese Instabilität besteht immer nur vorübergehend, denn jede kleine Bewegung führt über zu einem neuen Zustand relativer Stabilität.
Wenn ich eine Kugel, wie hier gezeigt, also von einem Tal zu einem anderen bringen will, dann muss ich erst Energie aufbringen, um sie auf den nächsten Gipfelpunkt zu befördern, von dort bewegt sie sich dann von selbst zum nächsten Tal.
In einer Tiefenentspannungs-Sitzung findet genau das gleiche statt: Im ersten Schritt werden die vorhandenen Vorstellungen im Unbewussten, mit denen ich im Augenblick gerade in Kontakt bin, vom Bewusstsein her destabilisiert, durch Ansprechen oder innere Handlungen: „So will ich das nicht!“ Hier ist das ganze Engagement gefordert. Die neue Ordnung entsteht dann von selbst.
Ich will das an einem kleinen Beispiel verdeutlichen:

Elke (Name geändert) leidet sehr darunter, dass sie von ihrer inzwischen 80-jährigen Mutter immer verurteilt wurde und nie eine liebevolle Mutter-Tochter Beziehung entstand. In der Sitzung erlebt sie wieder einmal, wie ihre Mutter abschätzig mit ihr redet. Sie verlangt von ihr, sie solle sie endlich mit Achtung behandeln und ihr liebevoll begegnen, wie das andere Mütter mit ihren Töchtern auch tun. Die Mutter weigert sich. Alles reden hilft nicht. Schließlich prügelt sie sie so lange, bis die Mutter in ihrer Vorstellung flehentlich auf dem Boden liegt und schließlich bereit ist, sie zu unterstützen. Sie weiß jedoch nicht, wie sie das tun soll, weil sie selbst nie Liebe bekommen hatte. In Elkes Vorstellung bekommt sie diese dann von der Großmutter und Elkes Mutter nimmt Elke schließlich liebevoll in den Arm. Elke bekommt plötzlich ein tiefes Verständnis dafür, dass ihre Mutter sie schon immer liebte und nur nicht wusste, wie sie diese Liebe zum Ausdruck bringen sollte, bzw. Angst davor hatte. Nach der Sitzung sagt Elke: „Ach, jetzt habe ich richtig Lust, für meine Mutter zu sorgen.“


III. Beispiele für Selbstheilung


A. Gelenkschmerzen
Ich möchte mit einer eigenen Erfahrung anfangen:
Als kleines Kind war ich sehr lebhaft und eigenwillig. Eben richtig lebendig. Das entsprach aber nicht den Vorstellungen meiner Eltern. Diese wollten ein liebes Mädchen. Sie waren auch der Überzeugung, dass nur ein Mädchen, das sich zu fügen versteht, im Leben zurechtkommt. Also versuchten sie den Eigenwillen dieses kleinen Kindes zu brechen. Unter anderem hielten sie dem kleinen Mädchen mit beiden Händen die Arme am Körper fest, so dass es nicht mehr um sich schlagen konnte. Was passiert im Körper, wenn wir um uns schlagen wollen? Der Körper verstärkt die Durchblutung in unseren Armen, damit wir die entsprechenden Muskelbewegungen ausführen können. Das ist ganz logisch. Aber dann habe ich als kleines Mädchen Angst bekommen, und zwar Angst, die Liebe meiner Eltern zu verlieren, wenn ich weiterhin um mich zu schlagen versuche. Ich beschloss und sagte mir: „Ich darf mich nicht bewegen!“ Und mein Körper folgte diesen Anweisungen, der schickte bei diesem Befehl kein Blut mehr in die Arme.
Da ich von mir aus nicht mehr um mich schlug, wurde ich auch nicht mehr festgehalten, bekam keine Angst mehr und es gab auch kein „Ich darf mich nicht bewegen“ mehr in mir. Ich funktionierte äußerlich, d.h. aus der Sicht meiner Eltern „normal“. Und auch mein Körper funktionierte einwandfrei. Ich vergaß alles.
Vor ein paar Jahren fing ich an, einmal wöchentlich Wassergymnastik zu machen. Ich hatte viel Freude daran. Es tat meinem Körper gut. Darum beschloss ich, auch noch an einer zweiten Gruppe in einem anderen Schwimmbad teilzunehmen. In diesem Becken gab es häufig wenig Platz. In mir kam unbewusst das alte Kommando wieder hoch: „Ich darf mich nicht bewegen!“ Ich fing an, bei der Wassergymnastik zu frieren und in der darauffolgenden Nacht und am nächsten Tag hatte ich Schmerzen in den Schultergelenken. So hatte ich mir das nicht gedacht. Nach einem halben Jahr gab ich die zweite Gymnastik wieder auf. Doch es hatte bereits eine Verallgemeinerung stattgefunden. Inzwischen traten die Schmerzen auch nach der Gymnastik in dem Becken auf, in dem es genug Bewegungsspielraum gab. Ich half mir damit, dass ich statt des normalen Badeanzugs einen Body mit kurzen Armen trug. Dies schützte mich hinreichend vor Schmerzen.
Die Sache mit dem Festgehalten-Werden als Kind hatte ich allerdings längst vergesse. Ich erinnerte mich daran schon lange nicht mehr. Ich hatte keine Ahnung, dass meine Schmerzen in den Schultergelenken damit zusammenhingen. Aber in einer Tiefenentspannungs-Sitzung kam plötzlich die Erinnerung wieder hoch. Ich schlug mich innerlich frei. Und natürlich fühlte ich mich danach gut, ohne dass ich mir über die körperlichen Auswirkungen Gedanken machte.
Dann funktionierte eines Tages im Schwimmbecken die Heizung nicht richtig und es war recht kalt. Ich erwartete, danach wieder Schmerzen zu haben, doch als sie ausblieben, erinnerte ich mich an die Arbeit in der Tiefenentspannungs-Sitzung. Also probierte ich aus, wieder einen normalen Badeanzug zu tragen, und siehe da: Keine Schmerzen. Das alte Programm „Keine Durchblutung für die Arme“ war aufgelöst. Ich kann die Wassergymnastik wieder ohne Angst vor unnötigen Schmerzen in den Schultergelenken genießen.

B. Ärger mit dem Nachbar
Dieses Beispiel stammt aus einer Sitzung mit einer Frau, ich will sie Jutta nennen. Jutta kam zu mir, weil sie große Probleme mit ihrem Nachbar hatte. Sie fühle sich ihm vollständig ausgeliefert. Er war ein sehr unangenehmer Mensch. Für den Rest der Familie war die Beziehung zum Nachbarn ebenfalls problematisch, aber für Jutta war sie eine Katastrophe. Sie überlegte sogar schon, ob es nicht besser sei, das Haus zu verkaufen und weg zu ziehen.
Im Vorgespräch frage ich Jutta, wo sie denn schon früher so ein Gefühl des Ausgeliefert-Seins erfahren hatte. Nein, in ihrer Familie hätte sie so etwas nicht erfahren, dann aber kam eine Erinnerung. Sie war vielleicht 12. Sie hatte sich in einen etwas älteren Trainer verliebt. Es kam gegen ihren Willen zu sexuellen Grenzüberschreitungen. Jutta brach in Tränen aus.
In der Sitzung kam sie von selbst nach einiger Zeit in diese Situation zurück. Es fiel ihr nicht leicht, sich innerlich gegen ihn zu wehren, es war älter und größer und sie war ja auch verliebt in ihn. Aber sie fühlte sich noch zu jung und war noch nicht bereit, so weit zu gehen wie er. Sie erklärte dem Mann die Situation, wehre ihn innerlich ab, aber er zeigte keine Einsicht. Schließlich machte sie ihn mit dem Blick ihrer Augen so lange immer kleiner, bis er bereit war, ihren Willen zu achten und ihrem Verlangen zu folgen. Als sie dann innerlich zu der Situation mit dem Nachbarn zurückkehrte, war diese längst kein Problem mehr. Auch den Nachbarn reduzierte sie mit ihrem Blick. Sein Körper verschwand, er hatte nur noch einen Kopf. Sie erkannte, wie verkrüppelt er innerlich war. Im Nachgespräch kamen ihr dann auch einige Ideen, wie sie im Garten auf einfache Weise dafür sorgen konnte, den Blickkontakt zu reduzieren. In nur einer Sitzung war aus einem überwältigenden Problem eine handhabbare Herausforderung geworden.


C. Unsicherheit
Edith (Name geändert) machte bei mir eine ganze Serie von Sitzungen. Sie wuchs in einem recht lieblosen Elternhaus auf und hatte sich ganz in die intellektuelle Sphäre zurückgezogen, um diese Kälte überleben zu können.
In der Sitzung, die ich hier beschreiben möchte, ging es darum, dass sie sich in einem Seminar sehr unsicher fühlt. Nach einer Berufsunfähigkeit hatte sie noch einmal begonnen zu studieren, aber die rechte Freude wollte nicht aufkommen. In dem besagten Seminar hatte in der letzten Woche der Seminarleiter wieder einmal – das war so seine Art – sich eine Studentin heraus gepickt, um sie mit einer überraschenden Frage zu bombardieren. Vor dieser Art der Überrumpelung und Bloßstellung fürchtete sich Edith. Sie zog sich im Seminar immer ganz nach hinten zurück, damit sie sicher sein konnte, je nicht das Opfer dieses hinterhältigen Seminarleiters zu werden.
In der Sitzung geht sie innerlich in die Seminarsituation. Sie kommt, wie häufig, zu spät zum Seminar und setzt sich gekrümmt auf einen Heizkörper, weil der Raum überfüllt ist. Sie fühlt sich klein und nicht dazugehörig. In ihrem Bauch zieht sich alles zusammen. An diesem Gefühl arbeiten wir in der Sitzung. Edith sieht innerlich meistens nur abstrakte Formen und Farben. So auch in dieser Sitzung. Sie spricht diese Farbe und Formen an und sagt ihnen, welche Gefühle sie bei ihr auslösen. Es geht dabei um Bedrohlichkeit und Angst. Diese werden nach und nach abgebaut. Zum Ende der Sitzung kehrt Edith innerlich noch einmal in die Ausgangssituation im Seminarraum zurück: Sie erlebt jetzt die Situation viel entspannter, alles wirkt heller, das unangenehme Gefühl im Bauch ist verschwunden.
Im Nachgespräch erörtern wir noch einmal, warum dieser Seminarleiter gezielt Studentinnen und Studenten in Hilflosigkeit stößt und wie sehr er damit die Hilflosigkeit zum Ausdruck bringt, die er selbst früher erfahren haben muss. Durch sein Verhalten legt er seine eigene Schwächt bloß, das kann nun auch Edith klar spüren und erkennen.
Bereits eine Woche später berichtet mir Edith, dass sie sich im letzten Seminar nicht mehr an den Rand, sondern genau zwischen die Leute gesetzt hat, dass sie sich dreimal mündlich beteiligt hat, einmal davon mit einem ausführlichen Beitrag. Sie meinte nur noch: „Der soll mir nur mit solcher einer Überrumpelungstaktik kommen. Damit kann er mir keine Angst mehr machen.

IV. Nachgedanken
Was ist eigentlich das Wesentliche bei „Selbstheilung in Tiefenentspannung“? Für mich ist es die Tatsache, dass jede Person, die sich in diesen Prozess begibt, die Verantwortung für sich selbst voll übernimmt. Oder anders ausgedrückt: Für alle, die nicht länger ihren Eltern, den Umstände, dem Schicksal oder dem lieben Gott die Schuld für ihre Probleme in die Schuhe schieben wollen, ist dieser Weg ideal. Für alle, die ihre Freiheit lieben, die ihren Weg selbst bestimmen wollen, ist dieser Prozess ein Geschenk. Schritt für Schritt erobern sie sich verschenktes Terrain zurück. Und jedes mal ist das Ergebnis ein Zustand tiefen inneren Friedens. Die Harmonie des Lebens wird aus einer Theorie zu einer Erfahrung. Selbst dort, wo wir schmerzliche Zustände in der Außenwelt nicht verändern können, sind wir mit ihnen versöhnt. Dies schenkt uns die Lebensqualität, nach der wir uns alle sehen.