Inge K. ...

Halstenbek, 4. März 2004

Herrn Jean-Pascal R a t h
Bezirksregierung Braunschweig
Bohlweg 38
38100 Braunschweig

Sehr geehrter Herr R a t h !
Sie beschäftigen sich mit der Frage nach der Qualifikation der Synergetik-Therapeuten. Vor ca. _ Jahr stellte ich mir die selbe Frage, als Patientin. Meine Antwort fiel so positiv aus, daß ich mich mit meinen nunmehr 65 Lebensjahren entschlossen habe, diese Ausbildung noch selbst zu absolvieren. Davon möchte ich Ihnen ein wenig berichten, um damit vielleicht einen kleinen Beitrag zu leisten zu einer Beurteilung, die dieser Sache gerecht wird.

Ich erfuhr von der Synergetiktherapie , nachdem ich vor zwei Jahren an Brustkrebs erkrankt war. Die Angst vor weiteren Erkrankungen überschattete mein Leben. Deshalb ließ ich mich auf einen Versuch ein, nachdem ich mich vorher sehr sorgfältig über diese Therapie informiert hatte. Schließlich konnte ich mittlerweile neben manchen guten, auch auf einige geradezu abenteuerliche Erfahrungen mit so genannten Heilmethoden zurückblicken.

Meine Überraschung war groß. Bei diesen Therapeuten fand ich beinahe alles wieder, was ich aus dem riesengroßen Angebot an an sogenannten Heilmethoden im Laufe eines langen Lebens selbst als sinnvoll und heilsam erfahren hatte. Dazu auch Neues, das Ganze zusammengefügt in einem Konzept, bei dem mir persönlich das Attribut “genial” nicht zu hoch gegriffen erscheint.
Nur eins war ganz anders als alles, was ich bisher kannte. Und gerade dieses Andere traf irgendwo ganz tief in mir ein Echo: Niemand kann mich wirklich heilen, nur ich selbst! Das erfahre ich nun immer wieder ganz konkret: Leiste ich in einer Sitzung Widerstand - und leider tue ich das oft! - geht der Prozess nicht weiter. Kein Synergetik-Therapeut - kann (oder will!) das auflösen. Das kann nur ich selbst. So einfach ist das - und so schwer. Ich kann also das Argument von Herrn Joschko, daß hier keine Heilung im üblichen Sinne, sondern wirklich “nur” eine Anleitung zur Selbstheilung stattfindet, als Patientin mit voller Überzeugung unterstützen.

Ein weiteres Argument für die Ungefährlichkeit dieser Methode möchte ich anführen: Ich arbeite seit 25 Jahren als ehrenamtliche Gesprächstherapeutin am Beratungs- und Seelsorgezentrum St. Petri, im Centrum von Hamburg. Meine ca. 100 Kollegen und ich haben alle eine hauseigene Ausbildung in Partnerzentrierter Gesprächsführung nach Carl Rogers, einem der führenden humanistischen Psychologen. Auch wir legen keine staatliche Prüfung ab und arbeiten seit über 30 Jahren anerkannt und erfolgreich mit unseren Klienten und darüber hinaus zusammen mit Ärzten, Behörden und den verschiedensten Institutionen.

Und eine zweite wichtige Parallele gibt es zwischen dieser Gesprächstherapie und der Synergetik: In Hamburg verstehen wir uns ausschließlich als Begleiter unserer Klienten, sie selbst entscheiden, wie weit sie sich auf sich selbst einlassen wollen bzw. können. Und genau diese Einstellung zu dem Klienten, ihn bei seiner Selbsterfahrung wirklich! nur zu begleiten, findet sich bei Herrn Joschko wieder, liegt seinem Konzept zu Grunde. Also könnte die eingangs gestellte Frage nach der Qualifikation der Synergetik-Therapeuten doch eigentlich auch ganz schlicht lauten:

Kann eine einfühlsame, verständnisvolle und sehr kreative Begleitung für Menschen, die auf der Suche sind, gefährlich sein?

Meine ganz persönliche Antwort lautet: die Synergetik-Therapie kann gar keine Gefahr sein für die Menschheit, aber es kann sehr gut sein, daß sie ihr zum Segen gereichen wird.

In der Hoffnung, daß meine Argumente für Sie vernünftig klingen,
sehr geehrter Herr Rath, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen