Hallo Herr Witscher,
 
mein Name ist Sarah Ziegler und ich möchte mit einer ungewöhnlichen Bitte an Sie herantreten.
 
Ich bin Studentin der Journalistik. Meine Aufgabe in einem Seminar ist es, Interviews zu frei wählbaren Themen zu verfassen.
Durch Zufall bin ich auf Ihre Seite gestoßen und bin sehr interessiert an Ihrer Arbeit. Der Offene Brief in Goslar hat zudem meine Neugier geweckt.
 
Daher meine Anfrage: Würden Sie sich zu einem Interview über Ihre Arbeit bereit erklären unter dem aktuellen Hintergrund von Goslar....?
Sicher, es ist nur eine studentische Arbeit, aber es würde mich sehr freuen...
 
Mit freundlichen Grüßen
Sarah Ziegler

Hier das Interview:

Organisiere dich selbst!


Wenn wir Schnupfen haben, gehen wir zum Arzt, um die Symptome zu bekämpfen. Doch die eigentlichen Hintergründe der Krankheit lösen wir nicht auf. Dabei kann jeder Mensch das aus eigener Kraft bewältigen.

Das sagt die Lehre der Synergetik - Therapie.

Dem Leiter des Goslaer Gesundheitsamtes Dr. Hepp geht dieses Weltbild zu weit. Er sprach am 8. Januar ein Berufsverbot aus. Bernd Joschko, der Begründer der Therapie, erkennt darin einen Verstoß gegen das Grundgesetz. Währenddessen fragen sich viele, was Synergetik – Therapie eigentlich genau ist. Thomas Witscher, selber Therapeut in Düren, gibt eine kleine Einführung.

SZ: Was bedeutet Synergetik-Therapie?

TW: Synergetik-Therapie ist eine Anleitung zur Selbstheilung durch das Aufarbeiten innerer Bilder in einer Tiefenentspannung. Alles, was einem im Leben jemals passiert ist, ob positiv oder negativ, ist im Gehirn abgespeichert. Man kann es halt nur nicht ad hoc aufrufen. Die Therapie führt an diese Erinnerungen heran. Ziel ist es dann, die negativen Aspekte in positive umzuwandeln und die Handlungskompetenz des Klienten wieder zu stärken. So kann er seine Probleme eigenständig beseitigen.

SZ: Wie kann man denn schlechte Dinge, die schon längst geschehen sind, in gute Lebenserfahrungen umwandeln?

TW: Ein Beispiel: Man ist ein einem Bild aus der Kindheit angelangt. Man ist nachts aufgewacht und schreit. Aber niemand kommt. In der Tiefenentspannung soll man nun Handlungskompetenz lernen. Das heißt in diesem Beispiel vehement einzufordern, dass Mutter oder Vater ans Bett kommen sollen, um zu trösten, so dass das Bild ein positives Ende nehmen kann.

SZ: Wenn das aber die Aufgabe des Klienten ist, welche Rolle spielt der Therapeut dabei noch?

TW: Wir begleiten. Und wir machen den Klienten auch schon mal auf etwas aufmerksam oder machen Vorschläge und zeigen Möglichkeiten auf. Aber wir greifen niemals direkt ein. Es geschieht auch nichts, was der Klient nicht will.

SZ: Wie darf man sich denn dann eine Sitzung vorstellen?

TW: Es gibt verschiedene Texte, die den Klienten in eine Tiefenentspannung bringen. Leise Musik im Hintergrund. Man führt den Klienten zum Beispiel eine Treppe hinunter ins Ungewisse und er erreicht einen Gang mit vielen Türen. Hinter jeder Tür versteckt sich ein Bild aus der Vergangenheit. Und der Klient öffnet eine Tür seiner Wahl. Manchen fällt das schwer, darum arbeiten wir auch mit Geräuscheffekten wie Türknarren und ähnlichem. Und dann arbeiten wir, sofern der Klient das möchte, mit den Bildern hinter den Türen.

SZ: Durch diese Aufarbeitung bekämpft der Klient also Krankheiten und ähnliches. Aber die Heidelberger Schule, auf die Sie sich stützen, sagt doch, es gebe gar keine Krankheiten.

TW: Krankheiten sind einfach ein Signal des Körpers, das sagt: Irgendetwas stimmt nicht. Aber die meisten Menschen nehmen gegen die Erkältung ein Medikament. Sie bekämpfen also die Symptome anstatt das eigentliche Problem darunter aufzulösen. Die Menschen hören zuwenig auf ihren Körper. Oft brauchen sie nur eine Auszeit, aber sie nehmen sie sich nicht.

SZ: Was ist denn mit Krebs oder HIV? Das sind doch keine Krankheiten, die sich mein Körper einredet?

TW: Laut der Forschung von Bernd Joschko, dem Begründer der Therapie, ist das ein Zusammenspiel vieler kleiner Dinge. Das beginnt in der Kindheit und setzt sich je nach dem immer größer fort. Und so entstehen diese Krankheiten.
Aber wenn der Patient es will, dann können diese aufgelöst werden.

SZ: Aber das werden dann doch alle wollen, oder?

TW: Nein. Viele Menschen wollen einfach ihre schmerzhaften Erinnerungen wie sexuellen Missbrauch oder anderes nicht wieder aufrufen. Dazu kann man sie natürlich auch nicht zwingen. Diese Menschen können einfach nicht richtig gesund werden.
Die Erfolgsgarantie liegt beim Klienten selber. Wir merken, dass sich viele einfach nicht an diese Gefühlsebene heranwagen wollen. Andere fürchten körperliche oder psychische Einbrüche, die sie sich wegen ihres Jobs nicht leisten können.

SZ: Was entgegnen Sie Skeptikern?

TW: Skeptikern kann man den Weg der Synergetik - Therapie nur schwer erklären.. Sie müssen sich darauf einlassen oder sie lassen es sein. Doch wir wollen niemanden überzeugen, das müssen diejenigen selber tun.

SZ: Wollen Sie konventionelle Schulmedizin ersetzen?

TW: Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg. Es gibt nie eine Richtung, in die alle gehen. Der eine geht zum Schulmediziner, der andere zum Heilpraktiker. Das wird wohl auch immer so bleiben.

SZ: Dennoch fürchtet Dr. Hepp vom Goslaer Gesundheitsamt Ihre Berufsgruppe und spricht in seinem Statement von einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Was halten Sie ihm entgegen?

TW: Er ist der einzige Mensch in Deutschland, der das sagt. Sogar ärztliche Gutachten aus Österreich über die Synergetik - Therapie halten sie für vollkommen unbedenklich. Und Österreich hat noch einen höheren Prüfungsstandard als wir in Deutschland. Ich weiß nicht, wie dieser Mann dazu kommt. Ich bin mir hunderprozentig sicher, dass er damit nicht durchkommt. Vielleicht wird er finanziell von den Ärzten gepusht. Seine Beweggründe sind mir schleierhaft.
Aber andererseits hat Dr. Hepp eine enorme PR für uns in Gang gesetzt.

SZ: Also gibt es keine Risiken bei der Synergetik – Therapie?

TW: Nein, weil nur das passiert, was der Patient wirklich möchte. Konventionelle Ärzte sagen hingegen: Du hast Krebs. Wenn du keine Chemotherapie machst, musst du sterben. Aber es ist nirgendwo schriftlich bewiesen, dass eine Chemo heilt. Der Patient gibt seine eigene Verantwortung dadurch an den Arzt ab
.
SZ: Aber Sie führen Ihre Klienten in Ihre Innenwelt, die ja teilweise sehr schlechte Erfahrungen wieder hoch bringt. Kann das nicht schaden?

TW: Wir stützen uns auf die Chaostheorie. Nach jedem Chaos gibt es eine höhere Neuordnung. Wie bei einem Topf Wasser. Wenn das Wasser kocht, dann geraten alle Moleküle total durcheinander. Aber wenn man es dann wieder abkühlt, ist es reiner und hochwertiger als zuvor. Dadurch, dass der Klient sich in seine Erinnerungen hineinstürzt, verursacht er in sich Chaos. Aber wenn er es neu geordnet hat, ist es besser.

SZ: Vielen Dank für das Gespräch.Weitere Infos unter:

www.synergetik-therapie.de
www.infocenter-goslar.de